Fahrdrahtschmiergerät
Das Fahrdrahtschmiergerät ist eine mechanische Vorrichtung, um von einem fahrenden Schienenfahrzeug aus eine elektrische Oberleitung mit Frostschutzmittel zu bestreichen. Das Gerät wird auf einem Stromabnehmergestell montiert.
Das mechanische Fahrdrahtschmiergerät ist ein Entwicklungsprojekt von Simchen’s Maschinenkonstruktion. Konventionelle Anti-Eis-Vorrichtungen wie zum Beispiel von innen getränkte Filzrollen haben gezeigt, dass ein chemischer Fahrleitungsfrostschutz gerade in der Übergangszeit mit häufigem Wechselfrost nutzbringend ist. Bei den DVB AG stellte uns die teilweise fragile Technik jedoch oft vor große Herausforderungen in Betrieb und Instandhaltung.
Das Projekt wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, einen einfachen, robusten Mechanismus zu entwickeln, der Frostschutzmittel in ordentlicher Qualität auf die Fahrleitung streicht, keine besondere Fürsorge erfordert und in den rauen Bedingungen des Straßenbahnbetriebs zuverlässig seinen Dienst tut.
Patentiertes Verfahren
Das Fahrdrahtschmiergerät arbeitet nach einem eigens zu diesem Zweck entwickelten, roll-gleitendem Verfahren. Das Herzstück ist die Transferrolle aus einem reibungsoptimiertem Spezialwerkstoff. Ihre Unterseite taucht in eine mit Frostschutzmittel gefüllte Wanne ein. Die Oberseite der Rolle berührt den Fahrdraht, rollt aber nicht auf diesem ab. Vielmehr wird der Fahrdraht von der Transferrolle gleitend überstrichen. Ein speziell dimensionierter Stellmotor dreht die Transferrolle langsam und kontinuierlich weiter, sodass gerade genug Frostschutzmittel an die Oberseite der Rolle gefördert wird.
Eine außenliegende Pegelkammer sorgt stets für die richtige Füllhöhe der Wanne und hält den Rücklauf frei von Schmutz und Schleifleistenabrieb.
Sanft zur Fahrleitung
Das Fahrdrahtschmiergerät benötigt keine bestimmte Mindestanpresskraft. Es ist so konstruiert, dass die bloße Berührung des Fahrdrahtes genügt. Je geringer die Reibhysterese im Pantographen, desto kleiner kann die Grundanpresskraft gewählt werden.
Flink
Das Fahrdrahtschmiergerät lässt sich von hohen Fahrgeschwindigkeiten nicht beeindrucken. Es entsteht keine Unwucht oder Fliehkraft wie bei einer schnelllaufenden Rolle. Durch das berührende Verfahren ist das System unempfindlich gegen Wind und Fahrtwind.


Umweltfreundlich und wirtschaftlich zugleich
Das System ist erst dann effizient, wenn möglichst viel vom eingefüllten Frostschutzmittel auch tatsächlich an der Fahrleitung landet. Das berührende Prinzip vermeidet Sprühverluste, wie sie bei Düsen auftreten. Das roll-gleitende Verfahren kennt keine fliehkraftbedingten Abschleuderverluste wie bei einer mitlaufenden Filzrolle und durch das externe Überlaufsystem kann selbst der Rücklauf wiederverwendet werden!

Nimmt jedes Hindernis
Das Fahrdrahtschmiergerät kann in einer Geometrie hergestellt werden, die der einer Schleifleiste entspricht. Die geringe Anpresskraft verhindert zudem, dass die Fahrleitung außergewöhnlich weit angehoben wird, sodass auch komplizierte Fahrleitungskonstruktionen wie Kreuzungen oder knapp liegende Seitenhalter kollisionsfrei passiert werden können.
Betriebssicher
Das Fahrdrahtschmiergerät hat keine schnelldrehenden Komponenten, die mit ihrer Unwucht eine Schwingungsanregung an Fahrzeug und Fahrleitungsanlage ausüben.
Zuverlässig. Auch montags früh um drei.
Das Fahrdrahtschmiergerät benötigt keine Sensorik. Sobald die Stromversorgung, die gleichzeitig das Steuersignal ist, anliegt, arbeitet es. Sollte es doch einmal ausfallen oder kein Steuersignal vom Fahrzeug erhalten, schädigt es die Fahrleitung nicht.
Vielseitig
Das Fahrdrahtschmiergerät stellt keine besonderen Anforderungen an Homogenität und Viskosität des Frostschutzmittels. Durch die Anpassung der Umfangsgeschwindigkeit der Rolle und der Anwendung einer optionalen Abstreiflippe an der Rolle kann das Gerät auf unterschiedlich fließende Frostschutzmittel und verschiedene Schichtstärken angepasst werden. Die glatten Oberflächen im System eröffnen Möglichkeiten für hochspezialisierte und besonders umweltfreundliche Anti-Eis-Chemikalien mit nicht-newtonschen Viskositätseigenschaften.

Technische Daten
| Gesamtbreite: | z.B. 1744 ±10 mm |
| Benetzungsbreite: | 1000 mm |
| Gewicht: | ca. 18 kg |
| Anpresskraft: | 0,5…2 kg |
| Spannungsversorgung: | 9…36 V |
| Leistungsaufnahme: | <5 W |
| Isolationsspannung: | 2,5 kV (Basisausführung) |


